Seite drucken
Anschauliche Zeiten

Anschauliche Zeiten

oder »Einmal ganz abgesehen von dem, was wirklich geschah ...« / Lebens- & Überlebensgeschichten

Hg. von Johann P. Tammen. Zeichnungen von Ror Wolf
Reihe: die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik (hg. von Jürgen Krätzer)
Band 241, 56. Jahrgang

€ 16,50 (D) | € 17,00 (A)

256 S., brosch.
ISBN 978-3-8353-1180-0

Inhalt

»Als ich in den sechziger Jahren zum ersten Mal Texten Ror Wolfs in Gestalt von Pilzer und Pelzer begegnete, war der Eindruck eines Aufruhrs und Widerstands gegen die vorherrschende Literatur - was für mich bedeutete: gegen die atemabschnürende allgemeine Interpretation von Leben - ein ungeheuerlicher, befreiender«, notiert Brigitte Kronauer (in Favoriten - Aufsätze zur Literatur, Klett-Cotta 2010). Und weiter: »Für mich war das Anbranden des Wolfschen Universums eine energiestrotzende, sich selbst genügende Antiwelt, die als Nebenprodukt in aller Schärfe die Ärmlichkeit und Scheelheit der offiziellen vorführte. Hier sprang jemand, wie ich es nie für möglich gehalten hätte, mit den Scherben von Realität und Geschichten um, deren Bau, Dramatik, Ablauf also durchaus nicht für alle Zeit von bemoosten Autoritäten festgelegt waren, balancierte mit Alltäglichkeiten, Sensationen, manischen Verengungen und Katastrophenmeldungen nach Gusto und Bedarf.« Und: »Hier steckte der Angriff in der Form.«

Derartig zum Kern der Wolfschen Kunst und Ästhetik, seines literarischen Wirkens wie auch seiner Collagentechnik, vordringend, wird Brigitte Kronauer von der horen-Redaktion gerne zur verlässlichen Beurteilungsinstanz erkoren: Peter K. Kirchhof zitiert sie in seinem - Ror Wolfs Collagenkunst präsentierenden Kommentartext - erkennbar angetan vom Furor dieses Künstlerlobs, während Alban Nikolai Herbst das künstlerische Qeuvre Wolfs, seine deutlich von Max Ernst herkommende Wirklichkeitsverschiebungskunst, voller Enthusiasmus mit dem Prädikat der Zeitlosigkeit ausstattet. - Während der Künstler selber lieber tief stapelt und hintersinnig erklärt: Die Arbeit am Bild diene ihm immer nur »zur Beruhigung nach dem Kampf im Umgang mit einer Million Worte.«

Die Zeitschrift wurde mehrmals ausgezeichnet:
Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik (1980 und 1988)
Karl-Heinz Zillmer-Preis der Hamburgischen Kulturstiftung (1998)
Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen (2008)
Niedersächsischer Verlagspreis (2011)